Als eine Jeans mein Leben bestimmte

Als eine Jeans mein Leben bestimmte

Rachel Green – sympathischster Serien Charakter der 90er Jahre (Friends – große Liebe!), diente als Inspiration für dieses Outfit. Vielleicht spielt aber auch ein bisschen Beverly Hills und Full House mit rein. Da ich in den 90ern zum Großteil noch Latzhosen und Samtkleidchen trug (naja, mach ich eigentlich immer noch), noch nicht mal Taschengeld bekam und einfach noch zu jung war, lebte ich meine jugendliche Probierphase leider erst in den schrecklichen 2000ern aus. Daher freue ich mich, dass alles wieder zurückkommt und ich alle Trends ab 1985 einfach jetzt nachholen kann. Dass die 70er mit Schlaghosen, Cord und der schrecklichen Farbe senfbeige auch sehr präsent sind, ignoriere ich aber lieber.

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Die Jeans, die ich auf den Fotos trage ist nicht einfach nur eine Hose, sondern hatte im vergangenen halben Jahr ziemlich großen Einfluss auf mein Leben. Das klingt jetzt vielleicht etwas dramatisch, ist aber nicht übertrieben. Tatsache ist, dass ich die Jeans im März beim Mauerpark Flohmarkt in Berlin gekauft habe. Ohne sie zu probieren. Dachte die Größe passt sowieso. Da die Hose eine alte Levi’s mit null Stretchanteil ist, war die Frustration zuhause groß, als ich sie anziehen wollte: zu eng. Ich bekam sie zwar zu, konnte mich dann aber nicht mehr hinsetzen ohne die Luft anzuhalten. Nach einigen Tagen grantig sein wurde ein neues Ziel für den Sommer gesetzt: In die Levi’s passen!!

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Die darauffolgenden Wochen war ich brav: Ich machte viel Sport, riss mich beim Essen zusammen und sah das Ziel immer vor mir. Einmal hatte ich sie dann sogar an, ich war mit einer Freundin was trinken und verbrachte den Abend an der Bar stehend (sitzen war immer noch nicht gemütlich). Das ist jetzt aber schon wieder einige Zeit und mein Leben verläuft wieder in gewohnter Manier: viel Essen, ab und zu Sport.

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Vor kurzem ging ich zu Fuß von der Arbeit nach Hause (das ist immerhin auch eine halbe Stunde), weil ich mich zumindest ein bisschen bewegen wollte und mich aber wieder mal nicht überwinden konnte, ins Fitti zu gehen. Während meines Spaziergangs dachte ich darüber nach, ob man sich eigentlich entscheiden muss: entweder skinny oder lebensfroh?

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Wie kann es sein, dass sich meine Gedanken so oft und so viel darum drehen, wie viel ich gegessen habe und wie viel Sport ich gemacht habe. Muss man sich an das schlechte Gewissen im Hinterkopf einfach gewöhnen? Ich weiß, dass meine Figur normal schlank ist, genau wie bei eigentlich allen meinen Freundinnen. Wie kann es dann sein, dass man ernsthaft überlegt 150 Euro dafür auszugeben, um drei Tage lang nur Saft zu trinken, am Abend aufgrund von Dinner Cancelling schlecht gelaunt ist oder mit kleinen Dosen von Selbsthass zu kämpfen hat, weil man schon wieder nicht im Fitti war?

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Ich kann Fitness Videos, Abnehm-Smoothies und Artikel, wie „Diese 10 Lebensmittel haben Minuskalorien“ nicht mehr sehen – ich will Pizza am Sonntagabend und Popcorn beim Serien schauen. Ich will, dass Freundinnen, die ich als selbstbewusste, coole und interessante Frauen schätze nicht vor Wut das Blackberry aus der Hand fällt, weil irgendwer irgendwo dünner sei als sie selbst und dass Schönheit nicht so sehr über die Figur definiert wird. Sich um sein Äußeres zu kümmern ist das eine, sich von Zahlen auf der Waage schikanieren zu lassen das andere.

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Ich bin immer noch dafür, dass jede/r einfach das an sich hervorheben sollte, was er/sie am liebsten mag. Kleiner Busen? Dafür vielleicht die Porno Lippen in rot betonen. Zu große Nase? Dafür vielleicht die geilste Walle Mähne. Pickel auf der Stirn? Dafür vielleicht Beine bis zum Himmel.

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Klar, manchmal sagt sich das leicht und insgeheim hätte man trotzdem gerne wieder den Größe 36-Arsch zurück (Thaha, sowas von passé!) Darum ist es so wichtig sich zwischendurch mal wieder darauf zu besinnen, was wirklich wichtig ist, wie dass man sich halbwegs gesund ernährt, genügend Bewegung macht und nebenbei nicht vergisst, sein Leben zu leben. Wie ihr seht, sitzt besagte Hose knalleng. Was ihr nicht seht: unter dem Pulli hab ich den obersten Knopf offen. Plädoyer zum Thema „Chill mal, kauf die Hose einfach größer!“ beendet.

Hose: Levi’s
Pulli: Merch von „The Paper Kites“
Schuhe: Sting
Ring: Pandora
Choker: Asos



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